Sprache ist eine zentrale Schlüsselkompetenz und grundlegende Voraussetzung für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Mitwirkung. Über Sprache erschließen sich Kinder ihre Umwelt, bauen Beziehungen auf, regulieren Emotionen und entwickeln ein Verständnis für sich selbst und andere. Sprachliche Kompetenzen beeinflussen nachweislich kognitive Lernprozesse, sozial-emotionale Entwicklung sowie den weiteren schulischen Bildungsweg. Insbesondere der spätere Schriftspracherwerb, mathematische Kompetenzen und Selbstregulationsfähigkeiten stehen in engem Zusammenhang mit frühen sprachlichen Erfahrungen.

Kindertageseinrichtungen sind die ersten institutionellen Orte sprachlicher Bildung. Sie übernehmen einen eigenständigen Bildungsauftrag und sind für viele Kinder der zentrale Raum, in dem sie Sprache systematisch erleben, erproben und weiterentwickeln. Ein ressourcenorientiertes und nicht ein defizitorientiertes Verständnis von sprachlicher Entwicklung ist dabei die Grundlage der pädagogischen Arbeit in der frühkindlichen Bildung. Ziel ist es, individuelle sprachliche Kompetenzen zu stärken, Mehrsprachigkeit wertzuschätzen und Teilhabe zu ermöglichen.

Sprachliche Bildung in Kitas findet alltagsintegriert und entwicklungsbegleitend statt: beim Anziehen, Essen, Spielen, Erzählen, Vorlesen oder in Konfliktsituationen. Sprache entwickelt sich im Dialog, im Spiel, in gemeinsamen Handlungen und im emotional sicheren Miteinander. Die sprachliche Entwicklung eines Kindes ist zugleich ein zentraler Indikator für die Ergebnisqualität frühkindlicher Bildung. An ihr wird sichtbar, ob pädagogische Prozesse nachhaltig wirken und Kinder in ihren Bildungs- und Entwicklungsprozessen tatsächlich stärken.

Sprachbildung ist daher kein isoliertes Aufgabenfeld, sondern Ausdruck und Kern pädagogischer Qualität. Sie muss über die gesamte Kita-Zeit hinweg kontinuierlich gestaltet werden und darf weder auf einzelne Entwicklungsabschnitte noch auf das Vorschuljahr begrenzt sein. Als fortlaufender Prozess erfordert sie eine systematische Beobachtung, fachliche Reflexion und gezielte Weiterentwicklung durch die pädagogischen Fachkräfte. Voraussetzung dafür ist eine enge Verzahnung von pädagogischer Praxis, regelmäßiger Evaluation und einer qualitätsorientierten Steuerung auf Trägerebene.

Studien zeigen, dass eine alltagsintegrierte Sprachbildung in Verbindung mit hoher Interaktionsqualität deutlich wirksamer ist als additive Fördermaßnahmen. Vor diesem Hintergrund sollte der Begriff der Sprachförderung im Sinne einer bedarfsgerechten, kontinuierlichen Sprachbildung verstanden werden. Diese knüpft an den pädagogischen Alltag an und nutzt gezielte sprachliche Impulse, um einzelne Kinder in ihrer individuellen sprachlichen Entwicklung zu begleiten und zu stärken.

Eine kontinuierliche Beobachtung aller Kinder und ihrer individuellen Entwicklungsverläufe bildet die Grundlage für eine passgenaue Sprachbildung in der Kita. Systematische Beobachtungsverfahren ermöglichen es Fachkräften, die sprachliche Entwicklung fortlaufend nachzuvollziehen und pädagogische Impulse gezielt darauf abzustimmen. Sprachstandserhebungen dienen dabei der frühzeitigen Erkennung möglicher Unterstützungsbedarfe. Entscheidend ist, dass diese Instrumente pädagogisches Handeln unterstützen und nicht zur Stigmatisierung führen. Sie müssen daher konsequent förderorientiert ausgestaltet sein und die Mehrsprachigkeit von Kindern ausdrücklich einbeziehen.

Neue, zusätzliche Verfahren sind dafür nicht grundsätzlich erforderlich. Sprachliche Entwicklung wird in Kitas bereits heute im Rahmen kontinuierlicher Beobachtung, Bildungsdokumentation und fachlicher Reflexion erfasst. In der Diskussion um Instrumente und Prozesse gerät zudem zu häufig die Perspektive des Kindes in den Hintergrund. Dabei zeigt sich deutlich: entwicklungsbegleitende Beobachtungsverfahren bilden individuelle Sprachverläufe wesentlich differenzierter ab als punktuelle Testsituationen.

Ergänzende Screenings können im Einzelfall sinnvoll sein, insbesondere wenn Beobachtungen auf einen erhöhten Unterstützungsbedarf hinweisen. Voraussetzung dafür sind qualifizierte Fachkräfte, geeignete diagnostische Instrumente sowie ausreichende zeitliche Ressourcen. Bei auffälligen Ergebnissen ist differenziert zu prüfen, ob es sich um einen moderaten Förderbedarf handelt, der im Rahmen der Kita-Pädagogik aufgegriffen werden kann, oder um einen medizinisch-therapeutischen Unterstützungsbedarf. In letzterem Fall sind Kooperationen mit Gesundheitsdiensten, Logopäd:innen und weiteren Fachstellen erforderlich, um einen individuellen Förderplan zu entwickeln und abgestimmt umzusetzen.

Sprachstandserhebung und Sprachbildung müssen jedoch von Beginn an alltagsintegriert und durchgängig in der Kita verortet bleiben. Eine Verlagerung entsprechender Maßnahmen in die Schule wird der kindlichen Entwicklungslogik nicht gerecht.

Forderungen des Deutschen Kitaverbands

–              Bundesweite Rahmenstandards für alltagsintegrierte Sprachbildung und klare Verortung von Sprachstandserhebung und -förderung in der Kindertagesbetreuung

–              Sprachstandserhebungen und Sprachförderkonzepte auf wissenschaftlicher Grundlage und orientiert an entwicklungsbegleitender Beobachtung

–              Vorrang alltagsintegrierter, dialogischer Sprachbildung vor additiven, schulischen Förderprogrammen im Vorschulalter

–              Verbindliche Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit als Ressource in allen Sprachbildungskonzepten

–              Differenzierte Förderstrukturen mit klarer Kooperation zwischen Kita, Gesundheitswesen und therapeutischen Fachstellen bei medizinisch-therapeutischem Bedarf

–              Systematische Verankerung sprachlicher, diagnostischer und interkultureller Kompetenzen in Ausbildung, Studium und Fortbildung von Fachkräften

–              Gesicherte Zeitkontingente und Ressourcen für Sprachstandserhebung, Evaluation und individuelle Förderplanung

–              Refinanzierung von mittelbarer pädagogischer Arbeit (Beobachtung, Dokumentation, Auswertung, Teamreflexion), diagnostischen Materialien, Qualifizierung, und Fachberatung

–              Finanzielle Berücksichtigung zusätzlicher Anforderungen im Übergang Kita–Schule, insbesondere für sprachpädagogische Begleitung im letzten Kitajahr

–              Verankerung von Sprachbildung als zentraler Bestandteil im Kitaqualitätsentwicklungsgesetz mit nachhaltiger, qualitätsorientierter Finanzierung

 

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