Berlin, 04. August 2026– Der Deutsche Kitaverband fordert die Bundesregierung auf, noch vor Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens zum Kita-Startchancen-Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) einen nationalen Kitagipfel einzuberufen. Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände, freie Kita-Träger, Wissenschaft und Fachpraxis müssen gemeinsam einen tragfähigen Qualitäts- und Finanzierungsrahmen für die Kindertagesbetreuung vereinbaren.
Die Länder lehnen nach einer Sondersitzung der Jugend- und Familienministerkonferenz den Entwurf in der vorliegenden Form ab. Im Zentrum der Kritik stehen zusätzliche dauerhafte Verpflichtungen für Länder und Kommunen, ohne dass der Bund deren langfristige und auskömmliche Finanzierung sicherstellt.
Waltraud Weegmann, Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands, erklärt: „Die Finanzierungskritik der Länder ist berechtigt. Der Bund kann keine dauerhaften Aufgaben im SGB VIII verankern und sich gleichzeitig schrittweise aus ihrer Finanzierung zurückziehen. Aber ein Nein der Länder allein löst kein Problem. Das Gesetz darf jetzt weder im föderalen Streit zerrieben noch auf unverbindliche Länderprogramme reduziert werden. Wir brauchen einen Kitagipfel, der Finanzierung, Qualitätsziele und Umsetzung verbindlich zusammenführt.“
Der Deutsche Kitaverband begrüßt wesentliche Ansätze des Gesetzentwurfs. Dazu gehören die Verankerung alltagsintegrierter Sprachbildung, zusätzliche Unterstützung für Kitas in herausfordernden Lagen, die Anerkennung mittelbarer pädagogischer Arbeit und weiterer notwendiger Zeitanteile sowie ein verbindlicher Fachberatungsschlüssel. Zugleich fordert der Verband deutliche Nachbesserungen: Die Sprachstandsfeststellung muss früher und mehrsprachigkeitssensibel erfolgen, die Personalausstattung braucht einen wissenschaftlich fundierten Stufenplan und freie Träger müssen an Planung und Umsetzung gleichberechtigt beteiligt werden.
Der Deutsche Kitaverband warnt davor, zentrale Qualitätsfragen weitgehend den Ländern zu überlassen. Gleichwertige Bildungs- und Entwicklungschancen können nicht entstehen, wenn Verfahren, Qualitätsanforderungen und Auswahlkriterien in 16 unterschiedlichen Systemen vollständig anders ausgestaltet werden. Bundesweit vergleichbare Qualität erschöpft sich dabei nicht in einheitlichen Personalschlüsseln. Diese sind eine wichtige Voraussetzung, entscheidend ist aber, welche pädagogische Qualität im Alltag bei den Kindern ankommt. Dafür braucht es laut Kitaverband gemeinsame Bildungs- und Qualitätsziele sowie einen stärkeren Fokus auf die Prozess- und Interaktionsqualität.
Waltraud Weegmann betont: „Der Bund muss dauerhaft bezahlen, was er gesetzlich vorgibt. Gleichzeitig müssen sich auch die Länder auf einen gemeinsamen Qualitätsrahmen einlassen. Bestehende Länderstrukturen sind zu berücksichtigen, dürfen aber nicht dazu führen, dass die Qualität frühkindlicher Bildung weiterhin vom Wohnort abhängt.“
Die derzeit geplante Bundesfinanzierung von insgesamt rund 9,25 Milliarden Euro zwischen 2027 und 2034 ist lediglich als anteiliger Ausgleich vorgesehen, sinkt im Zeitverlauf und endet, obwohl die gesetzlichen Verpflichtungen fortbestehen sollen. Der Deutsche Kitaverband fordert deshalb, die Finanzierung am Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ auszurichten und Tarif-, Preis- und Aufgabensteigerungen dauerhaft einzubeziehen.
„Kitas brauchen keine weitere Runde gegenseitiger Schuldzuweisungen“, so Weegmann. „Sie brauchen eine politische Verständigung darüber, welche Qualität jedes Kind erwarten darf, wie diese Qualität überprüft und weiterentwickelt wird und wer die notwendigen Ressourcen dauerhaft trägt. Kinder können nicht warten, bis Bund und Länder ihren Finanzierungsstreit geklärt haben.“
Mit seiner Kampagne „Hier spielt die Zukunft“ macht der Deutsche Kitaverband deutlich, dass frühkindliche Bildung eine zentrale Zukunftsinvestition für Kinder, Familien, Wirtschaft und Gesellschaft ist. Die begleitende Studie beschreibt das Kita-System unter erheblichem Reformdruck, aber auch großes Potenzial für eine grundlegende Weiterentwicklung. Im Mittelpunkt müssen laut Studie ein gemeinsames Qualitätsverständnis, eine systematische Evaluation der pädagogischen Arbeit und eine verlässliche Finanzierung stehen. Strukturmerkmale wie Personalschlüssel bleiben wichtige Voraussetzungen, reichen für sich genommen jedoch nicht aus. Entscheidend sind die Qualität der pädagogischen Interaktionen, die konkreten Bildungsprozesse im Kita-Alltag und eine professionelle Qualitätssteuerung durch die Träger.