Positionspapier, Stand: 14.07.2020

Wandel und Herausforderungen in Kitas

Die Kita-Landschaft hat sich stark verändert: Kinder verbringen heute viel mehr Zeit in der Kita als früher. Sie starten ihre Kita-Zeit häufig im Alter von einem Jahr und verbringen dort oft acht Stunden oder mehr täglich. Der Kontakt zur Lebens- und Arbeitswelt der Erwachsenen, zu Nachbarn oder Verwandten, ist geringer als früher. Dadurch wird Kindheit zunehmend mehr pädagogisiert und institutionalisiert.

Gleichzeitig hat sich das pädagogische Verständnis über die Kitas als Bildungseinrichtungen grundlegend verändert. Die Aufmerksamkeit für den Kita-Bereich durch Eltern und die Gesellschaft (PISA-Schock und U3-Ausbau) hat stark zugenommen.

Um die für die Kinder spannende und für ihre Entwicklung nötige Themenbreite abbilden zu können, gibt es zwei Lösungswege: Die Zusatzqualifizierung von pädagogischen Mitarbeiter*innen und den Einsatz von Direkteinsteiger*innen mit für die Kinder und ihren Bildungsweg interessanten Vorerfahrungen.

Durch die übliche Personalkostenfinanzierung von Fachkräften wurde ein Großteil der Verwaltungsaufgaben, z.B. Wartelisten, Vertragsvereinbarungen mit den Eltern, auf Fachkräfte verschoben. In Zeiten des Fachkraftmangels bietet es sich auch hier an Personal aus anderen Berufen aufzunehmen und die Pädagog*innen für die pädagogische Arbeit in den Kitas einzusetzen.

Für Kitaleitungen und Träger ergeben sich daraus folgende Herausforderungen:

  1. Die pädagogische Qualifizierung der Direkteinsteiger*innen. Denn gute Pädagogen*innen fallen nicht vom Himmel.
  2. Die Einbindung der Direkteinsteiger*innen in die tägliche Kita-Arbeit. Denn multidisziplinäre Teams brauchen Betreuung und Anleitung.
  3. Der Einsatz von Verwaltungskärften. Denn Wartelisten müssen keine Pädagogen führen.

Pädagogische Qualifizierung von Direkteinsteiger*innen

Als Direkteinsteiger*innen benötigen wir Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und interessanter Vorerfahrung sowie persönlicher Eignung.

Aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihrer abgeschlossenen Berufsausbildung brauchen sie keine weitere grundständige Ausbildung mit den allgemeinbildenden Fächern, wie Deutsch oder Englisch, sondern pädagogisches Wissen. Die   Direkteinsteiger*innen sollen bereits von Beginn an eine Unterstützung für die Arbeit mit den Kindern sein.

Das Ziel ist es, die Direkteinsteiger*innen langfristig in die Arbeit in Kindertagesstätten einbinden zu können. Damit dies gelingt, schlägt der Deutsche Kitaverband folgenden Rahmen vor:

  • In einem Kita-Team können bis zu 10 Prozent der Fachkraftstellen mit Direkteinsteiger*innen besetzt werden.
  • Sofortige Anrechnung mit 70 Prozent auf den Fachkräfteschlüssel.
  • Verbindliche Qualifizierung im Praxis-Theorie-Mix (50% der PIA-Theoriezeiten) in staatlichen anerkannten freien und öffentlichen Fachschulen.
  • Durchlässigkeit und langfristige Perspektive über eine Schulfremdenprüfung oder die ausnahmsweise Anerkennung durch die zuständigen Landesbehörden.
  • Direkteinsteiger werden bis zum Abschluss ihrer Qualifizierung in S4 eingruppiert.

Multidisziplinäre Teams brauchen Betreuung und Anleitung

Direkteinsteiger*innen können als Spezialist*innen für relevante Themen der Bildungs- und Orientierungspläne eingesetzt werden. Mit ihrer Begeisterung für ihr Thema (z.B. als Handwerker*in, Gärtner*in, Naturwissenschaftler*in, als Sport-, Musik- oder Theaterpädagoge/-pädagogin) und ihrer persönlichen Eignung bieten sie Chancen auch unter den pädagogischen Fachkräften weniger vorhandenes Themenwissen kindgerecht einbringen zu können. Damit dies, auch im Zusammenspiel mit den Pädagog*innen, eine echte Bereicherung darstellt, ist die Betreuung der Teams maßgeblich.

Eine langfristige Perspektive macht das Engagement des Teams sinnvoll und schöpft die Möglichkeiten des Einsatzes aus.

Dafür schlägt der Deutsche Kitaverband folgendes Vorgehen vor:

  • Die interessante Vorerfahrung der Direkteinsteiger*in muss im pädagogischen Konzept der Kita verankert sein.
  • Die Anleitung durch eine erfahrene pädagogische Fachkraft ist verbindlich.
  • Ausnahmsweise Anerkannte sollen nach ihrer Anerkennung in einem Bundesland in ganz Deutschland eingesetzt werde können.

Einsatz von Verwaltungskräften

Bisher werden Verwaltungstätigkeiten wie das Führen von Wartelisten oder Anmeldungen zumeist in der Kita selbst von pädagogischen Fachkräften übernommen. Die Träger bekommen in Deutschland häufig kein Budget für diese Tätigkeiten, sodass es wirtschaftlich sinnvoll ist, diese Aufgaben an die pädagogischen Fachkräfte zu delegieren, die im Rahmen des Fachkraftschlüssels bezuschusst werden. Kitas und Träger stellen deswegen in der Regel kein dafür geeignetes kaufmännisches Personal ein, da eine entsprechende Gegenfinanzierung fehlt.

Bei anderen Dienstleistungs- oder Wirtschaftsunternehmen werden Aufgaben dieser Art von qualifizierten kaufmännischen Fachkräften für weite Unternehmensteile zentral gesteuert, da so zum einen Synergien entstehen und zum anderen eine höhere fachliche Qualität geleistet werden kann. Hohe Trägerqualität und Professionalität ist auch bei Kitas nicht nur eine pädagogische Aufgabe.

Kitas brauchen deshalb die Möglichkeit:

  • In einem Kita-Team bis zu 10 Prozent der Fachkraftstellen mit Verwaltungsfachkräften besetzen zu können. Dies verändert nicht die Interaktionsqualität, da diese Aufgaben auch bisher im Rahmen des Fachkraftschlüssels erledigt werden.
  • Die Verwaltungsaufgaben zentral oder dezentral durchführen zu können. Die Erledigung dieser Aufgaben durch nicht-pädagogische Fachkräfte entspannt darüber hinaus den Arbeitsmarkt für pädagogische Fachkräfte.

Wir empfehlen darüber hinaus, die Wirkung der Direkteinsteiger auf die Qualität der Kita-Arbeit – in Zusammenhang mit einer verbindlichen Kita-Zertifizierung – zu evaluieren.

Photo by Edu Lauton on Unsplash