v.l.n.r.: Dennis Birnstock MdL, Christiane Staab MdL, Muhterem Aras MdL, Andreas Kenner MdL, Mersedeh Ghazaei und Clemens M. Weegmann

Verpflichtendes und kostenfreies letztes Kita-Jahr wird konkreter

Podiumsdiskussion in Baden-Württemberg

Im Vorfeld der Landtagswahl 2026 lud der DKV zu einer Podiumsdiskussion nach Stuttgart ein. Vertreter von CDU, SPD, FDP, Grünen und Linken diskutierten über die Zukunft der frühkindlichen Bildung. Angesichts sinkender Kinderzahlen, Fachkräftemangel und steigender Kosten stehen insbesondere freie Träger vor großen Herausforderungen, betonte Landesvorsitzender Clemens M. Weegmann bei seiner Moderation. Wie können zukünftig qualitativ hochwertige Angebote sichergestellt werden und welche Investitionen sind heute nötig, um eine langfristige Wirkung für Kinder und Familien zu erzielen?

 

Unklare Regelungen bei der Bedarfsplanung & Platzvergabe

Durch rückläufige Kinderzahlen und fehlende Transparenz bei Bedarfsplanung und Platzvergabe steigt die Sorge vor einem Verdrängungswettbewerb zwischen den Trägern.

  • Christiane Staab (CDU) plädierte für messbare Standards und eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunalpolitik und Kitas.
  • Dennis Birnstock (FDP) forderte einen Bürokratieabbau, um die Platzvergabe zu erleichtern. Er betonte, dass freie Träger fest in die Bedarfsplanung integriert werden müssen, statt nur als „Notstopfen“ zu fungieren.

 

Sicherung von Ganztagsangeboten

Aufgrund von Personalmangel und steigenden Kosten werden Betreuungsumfänge aktuell stark abgebaut. Diese sind jedoch eine zentrale Voraussetzung für Chancengleichheit und Fachkräftesicherung.

  • Muhterem Aras (Die Grünen) kritisierte die mangelnde Transparenz der kommunalen Finanzierung und betonte die Bedeutung von Kitas für der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie.
  • Mersedeh Ghazaei (Die Linke) fordert kostenlose Kita-Angebote und setzte auf eine Einstellungsoffensive. Durch Schulkampagnen für Pflege- und Bildungsberufe und die Aussicht auf gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sollen junge Menschen für die Arbeit im sozialen Bereich gewonnen werden.
  • Andreas Kenner (SPD) verwies auf die ungleichen Elternbeiträge zwischen den Kommunen und sprach sich für einen erleichterten Quereinstieg aus, um Kitaschließungen zu verhindern.

 

Sprachförderung & verpflichtendes letztes Kitajahr

angesichts deutlicher Sprachdefizite stand die Forderung nach einem verpflichtenden, kostenlosen letzten Kitajahr im Raum. Hier zeigten sich klare Differenzen:

  • Dennis Birnstock (FDP) lehnte eine generelle Pflicht ab. Er setzte sich stattdessen für eine gezielte finanzielle Förderung, bei klar identifizierten Sprachprobleme ein.
  • Andreas Kenner (SPD) und Muhterem Aras (Die Grünen) sprachen sich hingegen klar für das verpflichtende letzte Kitajahr aus. Um die Qualität zu sichern und gering verdienende Familien zu entlasten, plädierte Frau Aras zudem für sozial gestaffelte Kitagebühren.
  • Einigkeit gab es bei der Wichtigkeit von Kitas im Bereich der Sprachförderung und der Forderung nach einer Evaluation der bisherigen Maßnahmen.

 

Dialog zwischen Politik & Praxis

Im Anschluss hatte das Publikum noch die Möglichkeit Fragen an die Abgeordneten zu stellen und eigene Anliegen hervorzubringen. Im Zentrum stand die fehlende Wertschätzung von pädagogischen Berufen und der dringende Wunsch nach Klarheit bei Finanzierung, Platzvergabe und gesetzlichen Vorgaben.